DSL für Lohra

Bauerbach. Weil die Telekom- Tochter- T-Com sich weigert, den Marburger Stadtteil Bauerbach mit DSL-L-Anschlüssen zu versorgen, suchen engagierte Bürger selbst nach Alternativen.


von Werner Girgert

Burkhard Klose versteht die Welt nicht mehr. Der Bauerbacher sucht dringend eine Alternative zu seinem ISDN-Anschluss, über den er bislang ins Internet gelangte. Da war es für Klose nur nahe liegend, sich bei der Telekom- Tochtergesellschaft T-Com nach der erheblich schnelleren
DSL-Technik zu erkundigen.
„Ich wollte mit der Telekom sofort einen DSL-Vertrag unterzeichnen", sagt Klose. Denn über seinen XXL-Tarif kann er nur noch bis Ende März an Sonntagen kostenlos im Internet surfen. Doch der Telekommunikationsanbieter winkte ab und ließ den potenziellen Kunden lediglich wissen, dass sein Wohnort zu weit vom nächsten DSL-Knotenpunkt entfernt sei.
Wie Burkhard Klose ging es in den vergangenen Jahren bereits vielen Bauerbachern, die sich bei der Telekom nach einem
DSL-Anschluss erkundigten. „Die Telekom kümmert sich nicht um die kleineren Gemeinden, sondern entscheidet nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten", bedauert Ortsvorsteher Walter Matt.
Bereits vor zwei Jahren zog der Bauerbacher Michael Bartels die Konsequenzen aus dem Verhalten der Telekom und gründete die Initiative „DSL für Bauerbach". Mit einer Flugblattaktion und im Internet


Nach Ärger mit der Telekom suchen

Bauerbacher eine Alternative zu DSL


Computer-Club erprobt drahtloses Datennetz. Zahl der Interessenten für Stadtwerke zu gering

warb Bartels für sein Anliegen.
Binnen kurzer Zeit erhielt er über die Internetadresse der Initiative mehr als 100 Zuschriften von Bauerbächern, die sich ebenfalls für einen DSL-Anschluss interessierten, von der Telekom aber keine oder nur ablehnende Antworten erhalten hatten.
Inzwischen hat Bartels die Hoffnung jedoch endgültig begraben. Gemeinsam mit anderen Interessenten hat er in Bauerbach mittlerweile einen Computer-Club gegründet und sucht nach technischen Alternativen zum DSL-Angebot der

T-Com.
Die Idee, Bauerbach mit einem drahtlosen Datenübertragungsnetz, auch Wireless-LAN genannt, zu versorgen, gestaltet sich laut Bartels aufgrund der Topographie des Ortes allerdings schwierig. Bei der Funktechnologie kommt es nämlich entscheidend auf die eingesetzte Antenne an, ,von der aus die einzelnen Haushalt versorgt werden sollen. Mit dem Einsatz von Rundstrahlern lassen sich zwar große Flächen abdecken, aber: „Nicht jedes Haus in Bauerbach ist jedoch von einem Punkt aus erreich-

bar", erläutert Bartels.
Von den Kosten für die Nutzer sei die alternative Technik jedoch durchaus mit DSL vergleichbar. Für den Fall, dass sich die Wireless-LAN-Technik nicht realisieren lasse, suchen Bartels und seine Mitstreiter aber bereits nach anderen technischen Möglichkeiten.
Telekom-Sprecher Rüdiger Gräve führt unterdessen „physikalische Probleme" beim Leitungssystem als Begründung für die ablehnende Haltung seines Unternehmens an. Der nächste Knotenpunkt sei fünf Kilometer von Bauerbach ent-


fernt. Mit zunehmender Entfernung zwischen Sender und Empfänger gehe die Übertragungsrate so weit zurück, dass sie letztlich nur noch dem ISDN-Standard entspreche.
Aufgrund der geringen Zahl potenzieller Kunden sei es nicht wirtschaftlich, eine neue Vermittlungsstelle zu errichten. Für die Argumente der Telekom hat Bartels nur ein müdes Lächeln übrig: „Die Aussage, dass DSL in Bauerbach technisch nicht möglich sei, ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten."
Aber auch die Stadtwerke, die zunächst als möglicher Alter-nativanbieter für Bauerbach im Gespräch waren, haben aus wirtschaftlichen Gründen abgewunken, wie Stefan Koch von der Firma Hifreak Computernetzwerke, dem Dienstleister für Daten- und Internetprojekte der Stadtwerke, erläutert.
Lediglich 20 bis 25 der ursprünglich rund 100 Interessenten seien letztlich auch bereit gewesen, einen Vertrag mit den Stadtwerken über einen Funk-DSL-Anschluss abzuschließen. „Das rechnet sich nicht, da wir erst die erforderliche Infrastruktur aufbauen müssten", sagt Koch.
Anders sieht die Situation dagegen in Lohra aus. Nachdem dort die Telekom-Tochtergesellschaft T-Com den Interessenten an einem DSL-Anschluss ebenfalls eine Absage erteilt hatte, einigten sich jetzt die Bürgerinitiative „DSL für Lohra" und die Firma Hifreak über einen Funk-DSL-Anschluss für Lohra. Bis April soll ein entsprechender Funkmast errichtet werden, über den die Lohraer Internet-Nutzer mit der schnellen Datenverbindung versorgt werden können.