DSL für Lohra

 

VON PETER MARESCH
Seit Jahren warten die Bürger in der Gemeinde Lohra bei Marburg vergebens auf die Breitband-Internet-Verbindung DSL. Eine Bürgerinitiative versucht, Druck auf die Telekom auszuüben - kein Einzelfall in Hessen.

LOHRA -17. DEZEMBERLohra ist einer der hessischen Orte, die bisher ein weißer Fleck auf der DSL-Landkarte sind. In einer Initiative kämpfen die Bürger seit Jahresbeginn für die schnellere und günstigere Internet-Verbindung - bisher vergebens. Die 6000 Einwohner der Gemeinde südwestlich von Marburg haben das Pech, zu weit abseits der Telekom-Vermittlungsstellen Gladenbach und Fronhausen zu leben. Die DSL-Reichweite der Kupferkabel reicht gerade noch bis in den Ortsteil Reimershausen, die restlichen Lohraer schauen in die Röhre. Nach dem Plan der für die Kabel verantwortlichen Telekom-Tochter „T-Com" wird dies auch weiterhin so bleiben.
Klaus-Peter Raacke, bei der T-COM Leiter des Vertriebsmanagements, erklärte kürzlich bei einer Versammlung vor etwa 100 Bürgern, dass das Unternehmen 1,4 Millionen Euro investieren müsste, um Lohra ans DSL-Netz anzuschließen. Diese Kosten müssten sich innerhalb eines Jahres amortisieren.

Bürgerinitiative ist Lohra kein Einzelfall. Die Seite www.kein-dsl.de listet etliche weitere Initiativen in Hessen auf. Darunter sind häufig Ortsteile wie Dillenburg-Nanzenbach oder Marburg-Bauerbach, aber auch ganze Kommunen wie Waldeck in Nordhessen und Rockenberg in der Wetterau.
Laut George-Stephen McKinney von der T-Com-Pressestelle Region Mitte gibt es nach einer groben Schätzung 40 Gemeinden in Hessen, in denen die DSL-Bereitstellung Probleme bereitet. Einige, wie der Ort Hattenhof in der Rhön, haben das Dilemma bereits über alternative Techniken gelöst: Dort wird über Funk eine kabellose DSL-Verbindung hergestellt.
Eine ähnliche Variante ist auch für Lohra in Sicht. Die Firma Hi-Freak, zugehörig zu den Stadtwerken Marburg, will eine DSL-Verbindung über Funk aufbauen. Dazu müsste ein Funkturm oberhalb Lohras angemietet werden, der aber zunächst nicht alle der neun betroffenen Ortsteile versorgen könnte.
Doch auch hier gibt es noch Konfliktstoff: Als Miete verlangt die Deutsche Funkturm GmbH - eine Tochter der Telekom - derzeit eine einmalige Zahlung von 41000 Euro, dazu jährlich 10000 Euro. Bei diesen Konditionen müsste Hi-Freak,

In den Reihen der Initiative sorgten diese Äußerungen für Enttäuschung - zumal Raacke im Namen der T-Com nur eine Alternative bot: Man werde ausrechnen lassen, ob über Zuschüsse der Interessenten eine Installation doch noch möglich sei. Kein DSL zu besitzen, ist schon jetzt mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden. Über eine herkömmliche ISDN-Internet-Verbindung zahlen Nutzer mehr, können aber nur einen Bruchteil an Datenmengen verarbeiten. Für die Lohraer Firmen sei DSL daher sehr wichtig, betont Initiativen-Sprecher Hartmut Gaul.

Studenten legen Wert auf DSL

Er nennt außerdem ein Beispiel, wo sich das Fehlen bemerkbar macht: Im Ortsteil Altvers gebe es Wohnungen für Studenten; es werde jedoch immer schwieriger, Interessenten zu finden, weil es an der Breitband-Verbindung mangele.
Es gibt in Deutschland zwei Arten von Problemen mit DSL: Bei Gemeinden wie Lohra haben die Kupferkabel nicht genügend Reichweite; bei den Kommunen wie etwa Kronberg im Taunus liegt es an den Glasfaserkabeln. Für letztere Orte ist nach den Angaben der T-Com eine Lösung in Sicht, nicht aber für das Reichweitenproblem. Mit seiner

so deren Vertreter Stefan Koch, über 100 Euro monatlich von den Kunden verlangen - eine unerschwingliche Lösung. Die Firma will nun weiter verhandeln oder gegebenenfalls einen neuen Funkturm bauen.

WEITERE INFORMATIONEN zum Thema finden sich auf der Seite der Bürgerinitiative www.lohra-dsl.de.

BREITBANDVERBINDUNG DSL

Die Abkürzung DSL steht für Digital Subscriber Line", zu deutsch „Digitale Teilnehmeranschlussleitung". Eigentlich werden damit Verfahren beschrieben, um das Telefonnetz leistungsfähiger für Datenübertragungen zu machen. In Deutschland ist DSL jedoch Synonym für eine Internet-Breitbandverbindung. Die Zahl der DSL-Nutzer steigt rasch - im Herbst 2004 waren es fünf Millionen, bis 2007 sollen die Anschlüsse durch die Telekom auf zehn Millionen verdoppelt werden. Von den 38 Millionen Telefonanschlüssen können nach Angaben der Telekom 34 Millionen mit DSL versorgt werden. pm
Shoppen, Mailen, Informieren: All die Segnungen des Internets stehen den Lohraern per Internet zur Verfügung, allerdings ohne DSL und folglich erheblich langsamer.
Lohra will schneller ins Internet
Reichweiten-Problem verhindert DSL-Verbindung / Bürgerinitiative macht Druck / Kein Einzelfall in Hessen