DSL für Lohra

Kabellose Lösung mit Marburger Stadtwerken

Weg frei für DSL in Lohra

29.03.2005

Lohra. (en). Die Bauanträge für zwei Funkmasten in der Gemeinde Lohra sind genehmigt. Damit ist das Projekt der Bürgerinitiative DSL-für-Lohra einen entscheidenden Schritt voran gekommen. Nachdem die Telekom seit Jahren ablehnt, Lohra Weimar mit schnellen Datenkabeln zu erschließen, soll der Ort nun kabellos - per Funk - mit DSL versorgt werden. Anbieter sind die Marburger Stadtwerke.

Eigentlich müsste Hartmut Gaul, Sprecher der Initiative, jetzt zufrieden sein. Schließlich ist der Weg nun frei für eine Breitbandinternetversorgung der Gemeinde. Doch Gaul äußerte sich im Gespräch mit dieser Zeitung eher zurückhaltend. Das Thema sei im Parlament "schlecht diskutiert worden", meint er. Denn dort sei der Eindruck erweckt worden, als habe man mit dem VfB Lohra, dem Pächter des Geländes, auf dem einer der 18 Meter hohen Stahlmasten errichtet werden soll, noch nicht gesprochen. Dies sei jedoch längst geschehen.

Das Gemeindeparlament hat seine Genehmigung für die Funkmasten mit der Auflage verknüpft, dass vor Baubeginn Gespräche mit dem VfB geführt werden müssen. Der Standort des Mastes auf der "Hainbuchshöhe" muss so ausgesucht werden, dass eine sportliche Betätigung nicht beeinträchtigt wird.

Der andere Mast-Standort befindet sich vor der Waldspitze "In der Hohl". Allein mit diesem Funkmast könnten schon 80 Prozent von Lohra Bürger versorgt werden, so Gaul. Das Netz soll Schritt um Schritt ausgebaut werden. Die Initiatoren gehen davon aus, dass Lohra im zweiten Quartal, die Verstal-Gemeinden im dritten Quartal in den Genuss der "W-DSL-Versorgung" (das "W" steht für Wireless, kabellos) kommen können.

Auf der Interessentenliste der Bürgerinitiative haben sich bis jetzt schon 317 Interessenten eingetragen, darunter auch Bürger aus Krumbach und Frankenbach. Die Bürgerinitiative nimmt weiterhin Unterschriften entgegen. Ab sofort können Verträge abgeschlossen werden. Die Investitionsentscheidung sei, so hieß es weiter, "vorbehaltlich ausreichender Vertragsunterschriften" getroffen.

Der Hintergrund: Im Frühjahr 2004 bildete sich eine Initiative in Lohra, die ein DSL-Angebot in der Gemeinde vermisste. Die Beteiligten sammelte rund 500 Unterschriften von Bürgern, die ähnlich dachten und gerne ein DSL-Angebot genutzt hätten. Doch die Unterschriften, die Bürgermeister Hermann Brand (SPD) im März der Telekom zukommen ließ, konnten den "Rosa Riesen" nicht bewegen.

In Fronhausen und Gladenbach befinden sich die für die DSL-Versorgung wichtigen Knotenpunkte. Alle Lohraer Ortsteile, mit Ausnahme von Reimershausen, können jedoch weder von Gladenbach noch von Fronhausen aus mit Breitbandinternet-Kabeln versorgt werden, weil die Entfernung zu den jeweiligen Knotenpunkt zu groß ist.

Als bis September seitens des Großunternehmens keine befriedigende Antwort vorlag, gaben die Mitglieder der Initiative nicht auf: Ihr Kreis wurde erweitert und eine Bürgerinitiative gegründet, die fortan auch auf einer Homepage im Internet verstärkt Öffentlichkeitsarbeit betrieb. In der Folge wurden zahlreiche Aktionen durchgeführt, potentielle Anbieter kontaktiert und auf eine DSL-Versorgung der Südkreisgemeinde angesprochen.

Im Dezember 2004 nahmen Vertreter von T-Com und eines nicht-netzgebundenen Anbieters - der Marburger Firma "hifreak", die auch im Auftrag der Stadtwerke Marburg arbeitet - an einer Informationsveranstaltung teil, zu der mehr als 120 Interessierte kamen. Das Ergebnis: Die T-Com schreckt weiterhin vor einem Ausbau ihres Netzes zurück. 1,5 Millionen Euro Investitionskosten würden sich nicht innerhalb eines Jahres amortisieren, so die Argumentation. Der "hifreak"-Sprecher stellte hingegen eine DSL-Lösung per Funk vor. Am 17. Januar 2005 traf man sich mit "hifreak" und vereinbarte die konkrete Planung der DSL-Versorgung durch die Stadtwerke Marburg.