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Sieben Wege Kurhessische Grenze Der Postraub in der Subach Infrastruktur in Lohra Lahn-Dill-Bergland Die Deutsche Bundespost Zukunft für das Hinterland

Strukturwandel im Hinterland

Die alte Geschichte vom Postraub in der Subach ist nicht nur bei uns im Hinterland bekannt. Sie wird unter deutschen Historikern in einem Atemzug mit den Berichten über den Schinderhannes und anderen Räuberbanden genannt, die  in den Jahrzehnten davor die Gegend unsicher gemacht hatten. Hunger, Arbeitslosigkeit und das Fehlen der alten Ordnungsmacht ließen über zwanzig Prozent der Bevölkerung ihr Heil und Überleben in Diebstahl und Raub suchen (Wikipedia).

Unter den Historikern hat der ausführliche Aktenauszug von 1825 des damaligen Criminalgerichtssekretärs Carl Franz über den Postraub in der Subach auch heute noch einen wichtigen Stellenwert. Denn die Akten zeigen viel von den Lebensverhältnissen der damaligen Zeit. Das Ende der Feudalherrschaft hatte die Bauern befreit, aber die Lebensverhältnisse nicht wirklich verbessert. Viele wurden daher von Not und Elend gezwungen, nach Amerika auszuwandern.

Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach 

Vor diesem Hintergrund nutzte der bekannte Filmregisseur Volker Schlöndorff im Jahre 1971 die Geschichte vom Postraub in der Subach als Vorlage zu seinem sozialkritischen Heimatfilm: "Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach."

¿T? Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach  

Gesellschaftsdrama, Deutschland 1971, Regie: Volker Schlöndorff, Buch: Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta, Kamera: Franz Rath, Musik: Klaus Doldinger. Mit: Reinhard Hauff, Georg Lehn, Karl-Josef Cramer, Wolfgang Bächler, Harry Owen, Wilhelm Grasshoff, Angela Hillebrecht, Harald Müller, Margarethe von Trotta, Joe Hembus, Rainer Werner Fassbinder.

Was machen wir bloß mit dem ganzen Schotter? 
Reinhard Hauff (l.) und Margarethe von Trotta (r.)

 

Die Lebensverhältnisse im Hinterland 

Die Lebensverhältnisse im Hinterland haben sich dramatisch verändert! Die Aufzeichnungen vom Postraub in der Subach machen das an vielen Stellen deutlich:

Wie verlief das Wegesystem durch das Hinterland?

Von Giessen ... führt eine schöne Aue zuerst nach dem Dorfe Krofdorf, ... in den Krofdorfer Wald, ... Nähe von Kirchfors ... über Rollshausen nach dem Dorfe Mornshausen, das eine halbe Stunde von Gladenbach liegt.

Damals, vor zweihundert Jahren, verlief die Verbindungsstraße von Biedenkopf nach Gießen durch das Subachtal und über die Sieben Wege. Dieser Weg ist heute nur noch ein Feldweg. Der berüchtigte Hohlweg ist auf vielen Karten (z.B. bei map24.de) nicht mal mehr verzeichnet.

Warum nutzen wir heute auf dem Weg nach Gießen nicht mehr diesen Weg? Warum umfahren wir ihn im Westen über die Zollbuche (B255) oder im Osten über Bellnhausen und die B3 nach Gießen?

Nur wenige Straßen waren damals befestigt, z.B. durch Kopfsteinpflaster. Erst im zwanzigsten Jahrhundert hat man damit begonnen, das Land flächendeckend mit einem asphaltierten Straßennetz zu überziehen. Dafür sucht man vor allem Routen durch die Täler, um möglichst wenig unwegsames Gelände erschließen zu müssen. Früher dagegen suchten die Wanderer und Pferdekutschen vor allem die Höhenwege über Bergrücken, um die sumpfigen Flußauen zu vermeiden. Daher verlief der Weg nach Gießen auch durch den Krofdorfer Forst und über die Rollshäuser Höhe.

Wie reiste man durch Hessen?

Heinrich Geiz, der älteste Sohn des Hans Jacob Geiz, von dem bisher noch wenig die Rede war, erfuhr einige Wochen später dasselbe traurige Schicksal seines Vaters und Bruders. Derselbe stand früher als Soldat im Militairdienst zu Offenbach, woselbst er eine Bekanntschaft mit einem Dienstmädchen gemacht hatte. Nach Ablauf seiner activen Dienstzeit kam er als Reservist nach Mühlheim ...

So steht es in den Akten. Der arme Mann musste mehrfach von Mühlheim (bei Frankfurt) nach Kombach reisen, um die nötigen Papiere für seine Heirat zu besorgen. Das war damals eine Zwei-Tage-Tour zu Fuß. Die Akten berichten, dass "Jacob Geiz und Jost Wege von Kombach auf ihrer Rückreise in Butzbach übernachtet hatten". Butzbach war (auf halber Strecke) eine Tagesreise entfernt. Derartige Tagesmärsche waren für die Leute damals selbstverständlich. Auch die Angabe, dass "das Landstädtchen Gladenbach 5 Stunden von Gießen entfernt" lag, passt ins Bild.

Heutzutage fährt man mit dem Auto in weniger als einer halben Stunde nach Gießen und benötigt auch nach Mühlheim maximal eineinhalb Stunden.

Wie oft verkehrte die Post?

Von Giessen aus fährt monatlich zweimal ein Wagen, das sogenannte Geldkärrnchen, ... 

Im Postpaß der überfallenen Kutsche waren nur 23 Briefe, Paquete und Münzbeutel verzeichnet. Außer Geld wurden nur Paquete mit Zeitungen und Büchern transportiert.

Der immense Güterverkehr und Datenverkehr der heutigen Zeit war vor zweihundert Jahren noch unbekannt. Heutzutage hat jeder Briefträger mehr zu transportieren, jeden Tag. War ein Brief damals tagelang unterwegs, so sind Emails heutzutage in Sekundenbruchteilen beim Empfänger.

Wie sah der Handel aus?

David Briel von Dexbach, der Stifter dieses Complotts, entfloh dem Arme der Gerechtigkeit dadurch, daß er sich noch zu rechter Zeit einen Hausierschein ins Ausland geben ließ, den man ihm ohne Anstand ertheilte, da derselbe einen ausgebreiteten Strumpfhandel trieb und damals noch ganz verdachtlos war.

Der Anstifter war kein Bauer wie die andern, sondern wanderte als fliegender Händler von Haus zu Haus, um seine Strümpfe zu verkaufen. Für diese Gewerbe benötigte er eine Konzession der Obrigkeit, um sich von Ort zu Ort frei zu bewegen, ohne Verdacht zu erregen.

Supermarktketten und Drogeriemärkte kannte man nicht. Die Landbevölkerung versorgte sich selbst mit Lebensmitteln. Und verkaufte sie in den umliegenden Städten. Im Gegenzug kaufte man handwerkliche Waren wie die genannte silberne Sackuhr bei einem jüdischen Uhrenhändler in Frankfurt oder die beim Überfall verwendeten Larven (Masken) bei einem bei Kaufmann in Marburg.

Zusammenfassend stellt sich die Frage:

Hat dieser enorme Wandel der Infrastruktur, wie z.B. die Verbindung über die Sieben Wege, noch eine Bedeutung für uns?
Wie wirkt sich im Vergleich dazu der durch das Internet ausgelöste Strukturwandel auf unsere Lebensqualität aus?

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